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Rainer Buchers Buch über Hitlers Theologie"
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Hitlers Theologie (Gebundene Ausgabe) Rainer Buchers Buch über Hitlers Theologie" ist unbedingt zu empfehlen. Bucher konzentriert sich auf das Thema der Theologie, bestimmt den von ihm verwendeten Begriff Theologie, dokumentiert die Schlüsselzitate und begründet seine Schlussfolgerungen. Dem Verfasser gelingt es ausgezeichnet, dem Leser den Zusammenhang von Politik und Theologie in den Schriften und Reden Hitlers zu vermitteln. Sowohl der theologische als religionspolitologische Laie kann die in klarem Deutsch formulierte Darstellung verstehen. Darüber hinaus können weiterführende Fragen entdeckt werden. Außer dem Vorwort (S.11 bis 17) und dem Nachwort(S.171-175) sind die 10 Kapitel in folgende Hauptteile gegliedert Abgrenzungen"(S.17-7),"Strukturen"(S.77-144) und Konsequenzen"(S.147-170).Die Anmerkungen sowie das Quellenverzeichnis umfassen53 Seiten. Über den unmittelbaren Gegenstand der Theologie Hitlers hinaus, was hervorzuheben ist, werden im letzten Teil Hitler und die Moderne" und die nach 1945 bleibenden Sehnsüchte und Versuchungen" - unabhängig von der Theologie Hitlers - anschaulich dargestellt. Rainer Bucher betont mit Recht die Unterscheidung zwischen der privat gelebten Religiosität der Innerlichkeit einerseits und der Theologie als Rede von Gott andererseits. Man kann gegen seinen wissenschaftlichen Ansatz nicht einwenden, man könne sich nicht vorstellen, dass Hitler religiös war. Für Rainer Bucher ist nicht die sowieso schwer nachzuweisende wahre innere Religiosität die Voraussetzung der Argumentation, sondern das Handeln; die Übereinstimmung der Rede von Gott mit dem Handeln, also von Theologie und Praxis. Genau das wird im Verlauf der Untersuchung - auf der Grundlage der Zitate in seinem Text - mit guten Gründen nachgewiesen. Vom Anfang der Karriere Hitlers bis zum Ende werden die theologischen Implikationen der Politik sowie die politischen Implikationen der Theologie Hitlers dargelegt. Viel mehr als in der sozialwissenschaftlichen Literatur zum Nationalsozialismus wird das für die Moderne zentrale Thema des Volkes in den Reden und Schriften Hitlers berücksichtigt. Indem Rainer Bucher die für Hitler unzertrennbare Verknüpfung von Mensch, Volk, Geschichte und Gott untersucht, arbeitet er heraus, dass Hitlers Ziel die Herstellung der Identität des Volkes und die Einheit aller Mitglieder des Volkes als Kollektivsubjekt war. Rainer Bucher spezifiziert die Theologie Hitlers als Physikotheologie", ein Begriff, der am Anfang des 18. Jahrhunderts aus ,physikos', also ,natürlich' und Theologie gebildet wurde, wonach das Dasein und die Wirkung Gottes aus der zweckmäßigen und sinnvollen Ordnung der Natur abgeleitet wurde. Der allmächtige Schöpfer schuf die Natur und damit auch die Rassen, also auch die Überlegenheit der arischen Rasse als, so Hitler, Kulturbegründer" und höchstes Ebenbild des Herrn" im Kampf ums Dasein. Zwischen Gott und den biologischen Elementen der Rassedoktrin besteht insofern kein Widerspruch. Der Zusammenhang zwischen Hitlers Theologie und dem Rassismus wird in dem Kapitel Hitlers Theologie und die Vernichtung des europäischen Judentums" am deutlichsten nachgewiesen Die Vernichtung des Judentums sei für Hitler die Wiederherstellung einer verletzten göttlichen Ordnung". Diese Erklärung ist neu, für sie sprechen viele Aussagen Hitlers in Mein Kampf". Zwei Sätze bevor Hitler verkündet: "So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn"(Mein Kampf",S.70), hält er der von Gott geschaffen Menschheit für möglich und gibt den Juden die Schuld:" Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubensbekenntnisses über die Völker dieser Welt, dann wird seine Krone der Totentanz der Menschheit sein, dann wird dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschenleer durch den Äther ziehen" (S.69;vgl.S.421:das Aussterben oder der Untergang" des Ariers" wird auf diesen Erdball wieder die dunklen Schleier einer kulturlosen Zeit senken...Wer die Hand an das höchste Ebenbild zu legen wagt, frevelt am gütigen Schöpfer dieses Wunders und hilft mit an der Vertreibung aus dem Paradies"). Mit dem Bezug auf das "höchste Ebenbild des Herrn" sowie Gott als Schöpfer dieses Wunders und dem nächsten Satz kann, wie an anderen Stellen auch (vgl.S.329,erster Absatz), bewiesen werden ,dass Hitler kein Sozialdarwinist war: "Damit entspricht die völkische Weltanschauung dem innersten Wollen der Natur" So wie der Arier das höchste Ebenbild des Herrn" ist, so ist der Jude" die Personifikation des Teufels als Sinnbild alles Bösen" (S.355;vgl., S.68,332). Ist der Jude" die "Personifikation des Teufels und Sinnbild alles Bösen" müssen die Bösen vernichtet werden, um die durch das Böse verletze göttliche Ordnung wieder herzustellen. Im Wahn Hitlers im Sinne des allmächtigen Schöpfers" zu handeln und für das "Werk des Herrn" zu kämpfen, indem" er sich des Juden" erwehrt, ist die Schlussfolgerung zwingend, alle Juden töten zu müssen. Das hat Hitler in Mein Kampf" auch wörtlich formuliert. Im Kontext der vielzitierten Überzeugung: die Rassenfrage gibt nicht nur den Schlüssel zur Weltgeschichte, sondern auch zur menschlichen Kultur überhaupt", wird die Intension der Vernichtung ausgesprochen: Die Nationalisierung unserer Masse wird nur gelingen, wenn bei allem positiven Kampf um die Seele unseres Volkes ihre internationalen Vergifter ausgerottet werden" (s.372). Das schmale Buch Rainer Buchers über Hitlers Theologie" ist nicht minder lehrreich als faszinierend. Die flüssig geschriebene Untersuchung ist frei von theologischen, philoŽsophischen und ideologischen Auseinandersetzungen und Referenzen. Rainer Bucher hat vielmehr einen neuen Ansatz zur Wahrnehmung und Beurteilung der Weltanschauung Hitlers gefunden und in seinem Buch über die begründet. Damit hat er auch zur Erkenntnis des theologisch-politischen Problems über Hitlers Theologie hinaus beigetragen. Claus-Ekkehard Bärsch
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. Januar 2009 | | |
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