Der letzte Zeuge: Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter


 
Empfehlung für Interessierte!
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Mir ist das Taschenbuch beim schmökern in einem Buchladen aufgefallen. Zuerst dachte ich "nicht schon wieder so ein Versuch mit dem Thema 3. Reich Geld zu machen..." Allerdings habe ich bereits beim überfliegen bemerkt dass dem nicht so ist.

Über den Inhalt möchte ich nicht viele Worte verlieren, ich empfehle es jedem Geschichtsinteressierten der mehr über das Umfeld Hitlers und dessen Hintergründe und Abläufe erfahren will.

In schöner Regelmäßigkeit sieht man im TV Bilder vom Berghof oder der Reichskanzlei. Mit diesem Buch bekommen diese Bilder auch einen Hintergrund, man weiss wie sie enstanden sind und welche wichtigen oder belanglosen Geschehnisse damit verbunden sind.

Faszinierend für mich sind die Schilderungen über den privaten Hitler. Faszinierend deshalb, weil das Bild Hitlers in den Medien und der Berichterstattung durchwegs nur mit negativsten Assoziationen besetzt ist. Der Dämon und Massenmörder ist jedem geläufig. Aber kann und soll man, auch wenn es sich um Hitler handelt, diesen so radikal darauf reduzieren?

Dieses Buch bricht mit dieser Methodik. Hier wird auch etwas über die private, menschliche Seite Hitlers erzählt. Und das keineswegs in einer glorifizierenden oder anbiedernden Weise, sondern aus den Augen des Menschen Misch wie er den Menschen Hitler erlebt hat. Das macht den Reiz des Buches aus.

Was mich auch sehr erschüttert hat war die Beschreibung der Gefangenschaft in Russland und die erlittenen Misshandlungen/Folterungen. Guantanamo ist dagegen wohl ein Kindergarten.
Aber eine Beschreibung hat in mir absoluten Ekel, Abscheu und wirkliche Betroffenheit ausgelöst: Die Beschreibung als die Leichen der Goebbels Kinder von den Russen zur Schau gestellt wurden, und die Berliner Bevölkerung auf sie spuckte und mit Steinen warf. (Dies hat Misch jedoch nur durch Augenzeugenberichte erfahren, nicht persönlich miterlebt.....sein Glück). Es geht einem schon sehr nahe wenn Misch beschreibt was für liebe Kinder es waren, wie sie ganz unbefangen im todgeweihten Bunker gespielt und ihn liebevoll gefoppt hatten (...Misch, Misch du bist ein Fisch...), und sich dann vorzustellen wie die toten Kinder dann "missbraucht" wurden, ekelhaft!

Es gibt aber auch etwas auszusetzen. Das Vorwort von Ralph Giordano. Dieser Abschnitt wirkt deplaziert und ist wohl der Political corecctness geschuldet. Quasi: Wenn Giordano als moralische Instanz keine grossen Einwände hat dann dürfen das Buch auch die normalen Leute auch lesen. (Was interessiert den Leser das Wohlbefinden Giordanos als er sich in den 90er Jahren auf dem Gebiet des Obersalzbergs aufhielt?!)

Genauso verhält es sich mit dem Epilog von Frau Zarrinbal. Geradezu peinlich berührt ist man wenn man Aussagen von Ihr liest ..... "...der Leibwächter des Teufels..." , "...er konnte Hitler doch leicht mit seiner Pistole erschießen, warum hat er das nicht getan...?" oder "...bei manchen Erzählungen Mischs mochte man am liebsten dazwischenfahren...". Welches Ziel verfolgte sie denn an der Mitwirkung an diesem Buch wenn ihr Urteil schon im Vorfeld feststand, was sich ja zweifelsfrei an ihren Aussagen festmachen lässt? Mich wundert es das Misch diesen Epilog von Frau Zarrinbal freigeben hat (wenn er dazu vom Verlag überhaupt gefragt wurde).


Naja.....diesen Seitenumfang hätte man besser für weitere Erzählungen Mischs (z. B. seine Kenntnisse über Verschwörungen und Verrat) verwendet, das wäre ein Mehrwert für den Leser gewesen anstatt derer absolut überflüssigen und deplazierten Epiloge die nur so von political correctness und moralischen Vorhalten triefen.



Nichtsdestotrotz vergebe ich 5 Punkte (das Vorwort Giordanos und den Epilog Zarrinbals nehme ich davon ausdrücklich aus)!

Eine Rezension von Mark Oh "bollizei_1" >
vom 11. Januar 2010
Kundenrezensionen:
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